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www.betriebsraete.at

Mitbestimmung im Betrieb stärken

Der Jugendvertrauensrat ist die Stimme der Lehrlinge und jungen Beschäftigten

Die Aktion „M“ wie Mitbestimmung der Österreichischen Gewerkschaftsjugend (ÖGJ) hat vor über 40 Jahren große Wellen geschlagen. Mit mehr als 50.000 Unterschriften konnte so viel Druck ausgeübt werden, dass mit 1. Jänner 1973 das Jugendvertrauensrätegesetz in Kraft trat. Ab diesem Zeitpunkt durften auch Lehrlinge und junge ArbeitnehmerInnen ihre eigene Vertretung – den Jugendvertrauensrat (JVR) - im Betrieb wählen.

Meilenstein

„Ein Meilenstein für die Mitbestimmung der Jugendlichen am Arbeitsplatz“, erinnert sich Rudi Kaske, Arbeiterkammerpräsident und einer der ersten JVRs in Österreich. Auf mehr Mitbestimmung und Demokratie pocht auch die neue Regierung, doch wollen sie die Stimme der Lehrlinge, den Jugendvertrauensrat, im Betrieb abschaffen. Im Regierungsprogramm heißt es: „Das aktive Wahlalter bei Betriebsratswahlen wird von 18 auf 16 Jahre gesenkt (Harmonisierung mit „Wählen ab 16“) und ersetzt den Jugendvertrauensrat.“

"Jugendliche vertreten Jugendliche" hat sich bewährt

Ähnlich dem Betriebsrat ist in jedem Betrieb mit mehr als fünf Lehrlingen und Jugendlichen ein Jugendvertrauensrat zu wählen. Wahlberechtigt sind alle Beschäftigten unter 18 bzw. Lehrlinge unter 21 Jahre. Als Jugendvertrauensrat kandidieren können alle bis 23, gewählt wird alle zwei Jahre.

Dass das aktive Wahlrecht bei Betriebsratswahlen auf 16 gesenkt werden soll, ist grundsätzlich positiv. „Wir würden sogar weitergehen und die Wahlalterbegrenzung für Betriebsratswahlen gänzlich streichen. Trotzdem brauchen die Jugendlichen weiterhin ihre eigene gewählte Vertretung. Der Jugendvertrauensrat muss bleiben, denn nur er vertritt ausschließlich die Interessen der jungen ArbeitnehmerInnen. Das Konzept ‚Jugendliche vertreten Jugendliche‘ hat sich voll bewährt“, so Sascha Ernszt, Vorsitzender der Österreichischen Gewerkschaftsjugend.

Deshalb brauchen wir Jugendvertrauensräte

Die Ergebnisse des Lehrlingsmonitors 2015 der Gewerkschaftsjugend zeigen, dass es für den Jugendvertrauensrat viel zu tun gibt, vor allem in Punkto Ausbildungsqualität. Weniger als die Hälfte der 6.000 Befragten gibt an, bei der Vorbereitung zur Lehrabschlussprüfung (LAP) nicht vom Betrieb unterstützt zu werden. Nur zwei von fünf Lehrlingen haben über die Anforderungen der LAP mit ihren AusbilderInnen gesprochen. Ein Drittel der Lehrlinge leistet, nicht immer freiwillig, Überstunden und fast die Hälfte muss Arbeiten unter Zeitdruck durchführen.

Jugendvertrauensräte vermitteln oftmals auch bei Streit zwischen Lehrlingen, helfen bei privaten und schulischen Problemen und dienen als Schnittstelle zwischen Berufsschule und Ausbildung im Betrieb. Die Erfahrung zeigt, dass sich Jugendliche bei Problemen an gleichaltrige Vertrauenspersonen wenden und nicht an Betriebsräte, die meist deutlich älter als sie selbst sind.

Mitbestimmung stärken, nicht schwächen

Wird der im Regierungsprogramm stehende Vorschlag so umgesetzt, dürfte ein Drittel der Lehrlinge keine Interessenvertretung mehr wählen. Warum? Den Jugendvertrauensrat dürfen alle Lehrlinge wählen, auch die Unter-16-Jährigen. „Ein Betriebsratswahlrecht erst ab 16 Jahren würde Lehrlinge unter 16 keinerlei Möglichkeit für Mitbestimmung geben, und das obwohl sie einen großen Teil ihrer Zeit am Arbeitsplatz verbringen“, kritisiert Ernszt.

Betriebsratswahlen finden nur alle fünf Jahre statt, Jugendvertrauensratswahlen hingegen alle zwei Jahre. Bei einer Lehrzeit von drei oder vier Jahren würde das bedeuten, dass viele Jugendliche während ihrer gesamten Lehrzeit kein einziges Mal wählen dürfen.

Mehr Infos zu Aufgaben und Tätigkeit eines Jugendvertrauensrats

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