Einmal 450 Euro ist keine Erhöhung des Arbeitslosengeldes

Wer zur falschen Zeit arbeitslos war oder ist, bekommt gar keine zusätzliche Unterstützung

Alle, die zwischen Mai und August 2020 an mindestens 60 Tagen Arbeitslosengeld oder Notstandshilfe bezogen haben, bekommen jetzt eine 450 Euro Einmalzahlung als Unterstützung. Auch jene, die jetzt wieder eine Arbeit gefunden haben. Das hat die Bundesregierung noch vor der Sommerpause beschlossen. Warum es erst am 2. September zur Auszahlung kam und nicht alle Arbeitslosen davon profitieren, ist unklar. 

"Sinnvoller wäre eine generelle Erhöhung des Arbeitslosengeldes." Ingrid Reischl, Leitende ÖGB-Sekretärin

Wer zu spät arbeitslos wurde, bekommt keine Unterstützung 

Wer zur falschen Zeit arbeitslos war oder noch immer ist, bekommt gar keine Unterstützung. So beispielsweise auch Peter, Koch aus Niederösterreich. Gleich zu Beginn des Lockdowns wurde er Mitte März gekündigt und nicht ganz zwei Monate später Mitte Mai wieder angestellt. Mit seinem Arbeitslosengeld kam er nicht aus, er musste auf Erspartes zurückgreifen. „Die 450 Euro bekomme ich jetzt aber auch nicht, weil ich nicht in die Zeitspanne von Mai bis August falle. Das ist finde ich unfair. Die Corona-Krise hat mich genauso betroffen“, sagt Peter, er hätte seiner Meinung nach auch eine finanzielle Unterstützung verdient. 

Brauchen ein Arbeitslosengeld, das Menschen vor Armut schützt 

Peter ist aber nicht der einzige, der von der 450 Euro Einmalzahlung nicht profitiert. Viele andere, die erst mit Ende Juli oder später ihren Job verloren haben und aufgrund der Wirtschaftslage lange keinen neuen finden werden, erhalten ebenfalls keine Unterstützung von der Bundesregierung. „Was Arbeitslose brauchen, ist eine Erhöhung des Arbeitslosengeldes und keine Einmalzahlung, die sie nicht davor schützt, in die Armut abzurutschen“, sagt Ingrid Reischl, Leitende Sekretärin des ÖGB. 

„Jeder Tag, den arbeitslose Menschen mit einem Einkommen unter der Armutsgrenze verbringen müssen, ist einer zu viel.“ Ingrid Reischl, Leitende ÖGB-Sekretärin. 

Die derzeit aktuelle Nettoersatzrate von 55 Prozent des letzten Einkommens ist zu wenig. Hier hinkt Österreich auch im internationalen Vergleich hinterher. Deswegen fordert der ÖGB die Erhöhung auf 70 Prozent. 

Sinnvoller ist eine generelle Erhöhung des Arbeitslosengeldes auch deshalb, weil dieses Geld eins zu eins wieder in den Wirtschaftskreislauf zurückfließt. Es würde die Wirtschaft ankurbeln und gleichzeitig die Menschen vor Armut schützen. „Jeder Tag, den arbeitslose Menschen mit einem Einkommen unter der Armutsgrenze verbringen müssen, ist einer zu viel", so Reischl.

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