Frauenarbeitslosigkeit explodiert

Bei einem Anstieg von bis zu 1.250 Prozent im Bezirk Landeck ist „besorgniserregend” nur mehr ein Hilfsausdruck

Aufgrund des anhaltenden Lockdowns und der Schließung von Gastronomie und Hotels seit November, ist vor allem im Tourismus die Arbeitslosigkeit besonders hoch. Ja, durch Kurzarbeit und andere Unterstützungsmaßnahmen konnte bis jetzt noch viel Schlimmeres verhindert werden. Aber die Lage ist trist: In der Branche sind aktuell rund 72.000 Menschen auf Arbeitssuche - das sind um rund 50 Prozent mehr als vor einem Jahr, wie die aktuellen Daten des Arbeitsministeriums zeigen.

Korinna Schumann, ÖGB-Vizepräsidentin und -Frauenvorsitzende ist besorgt: „Sieht man sich die Daten mit Fokus auf die Frauen an, ist 'besorgniserregend' nur mehr ein Hilfsausdruck.“  

Stärkster Anstieg in Vorarlberg, Tirol und Salzburg 

Die Zahl der arbeitslosen Frauen in Österreich ist mit einem Plus von 42 Prozent doppelt so stark angestiegen wie die der Männer. Verheerend ist die Situation in den westlichen Tourismus-Regionen.

„Weil im Tourismus besonders viele Frauen beschäftigt sind, ist die Lage dort dramatisch. Im Tiroler Bezirk Landeck ist die Arbeitslosigkeit unter Frauen um satte 1.250 Prozent angestiegen, im Tiroler Bezirk Reutte um mehr als 800 Prozent“, so die Vizepräsidentin.

Insgesamt sind Vorarlberg (+ 69,1 %), Tirol (+ 247,1 %) und Salzburg (+ 139,1 %) die Bundesländer, in denen die Frauenarbeitslosigkeit im Vergleich zum Dezember 2019 am stärksten gestiegen ist. 


Rückschritt in alte Rollenbilder verhindern 

Viele Frauen waren ‚nur‘ geringfügig beschäftigt, diese fallen jetzt durch alle Netze. Das ist ein großes Problem, vor dem die Bundesregierung nicht die Augen verschließen darf. „Wir hören vermehrt, dass Frauen ‚zu Hause bleiben und sich um die Kinder kümmern sollen. Dann stören sie nicht mehr am Arbeitsmarkt‘“, ist Schumann schockiert.

 

 

 

„Viele Frauen mussten ihre Arbeitszeit massiv reduzieren und Urlaub verbrauchen, um die Betreuung überhaupt stemmen zu können“, sagt Philip Wohlgemuth, Vorsitzender des ÖGB Tirol.

Er warnt davor, dass die derzeitigen Rahmenbedingungen viele Frauen in veraltete Rollenbilder zwingen. „Die Krise darf aber keinen gesellschaftlichen Rückschritt mit sich bringen. Das müssen wir mit aller Kraft verhindern“, betont Wohlgemuth. 

Das Betreuungsproblem, das in der Krise noch einmal verdeutlicht wird, muss endlich ernstgenommen werden. Die ÖGB-Frauen fordern, den flächendeckenden Ausbau und Betrieb der Kinderbildungseinrichtungen auf Grundlage des Sozialpartnerinnenpapiers umzusetzen. 

Bundesregierung muss handeln 

Die Folgen der Krise werden am Arbeitsmarkt vor allem für Frauen noch länger spürbar und eine Rückkehr zu Vollzeit unter Umständen noch schwieriger sein. „Das hätte drastische langfristige Folgen für das Erwerbseinkommen und somit auch die Pensionshöhe von Frauen”, unterstreicht ÖGB-Vizepräsidentin Schumann. „Die Bundesregierung muss daher wirksame arbeitsmarktpolitische Maßnahmen mit Fokus auf die Frauen setzen“, fordert die Schumann. Es brauche eine verstärkte Weiter- und Umqualifizierung für Frauen sowie die Einrichtung einer Corona-Frauenarbeitsstiftung. 

Forderungspapier Sozialpartnerinnen und Industriellenvereinigung “Gemeinsam für bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie”: http://bit.ly/SoPa_Papier_Vereinbarkeit_Beruf_Familie  

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