Tauziehen um Kollektivvertrag für LeiharbeiterInnen

Arbeitgeber wollen Verschlechterung für überlassene ArbeitnehmerInnen durchsetzen

Holprig verlaufen die Kollektivvertragsverhandlungen für die Branche der Arbeitskräfteüberlassung. Auch in der zweiten Verhandlungsrunde am 19. Jänner hat es keine Einigung gegeben. oegb.at hat beim KV-Verhandler und zuständigen Branchensekretär der Gewerkschaft PRO-GE, Thomas Grammelhofer, nachgefragt, wo es sich bei den Verhandlungen spießt.  

oegb.at: Ihr habt einen Konflikt bei den aktuellen Verhandlungen für einen Kollektivvertrag. Kannst du uns Näheres erzählen?   

Thomas Grammelhofer: Gerne. Es geht um den Kollektivvertrag für das Gewerbe der Arbeitskräfteüberlassung. Überlassene Arbeitskräfte nennt man im Volksmund auch LeiharbeiterInnen. Davon gibt es rund 80.000 in Österreich. Kurz erklärt sind LeiharbeiterInnen Menschen die ihr Dienstverhältnis bei einer Leiharbeitsfirma haben. Ihre Arbeitsleistung erbringen sie aber in einem sogenannten Beschäftigerbetrieb.  

oegb.at: Wo ist das Problem bei den Kollektivvertragsverhandlungen?  

Grammelhofer: Die Branche hat erst seit 2002 einen Kollektivvertrag, darin festgelegt sind relativ kurze Kündigungsfristen zwischen zwei bis maximal sieben Wochen. Das ändert sich jedoch heuer mit dem 1. Juli. Dann müssen diese Fristen für ArbeiterInnen nämlich laut Gesetz den deutlich längeren der Angestellten angeglichen werden. Gegen diese, sozusagen, Erhöhung wehren sich die Arbeitgeber aber mit Händen und Füßen und wollen diese vor Inkrafttreten verhindern.  

Thomas Grammelhofer: "Die Arbeiterinnen und Arbeiter in der Überlassungsbranche haben sich eine gesicherte kollektivvertragliche Lohnerhöhung verdient!"

oegb.at: Warum? Was versuchen die Arbeitgeber?  

Grammelhofer: Sie wollen ALLE LeiharbeiterInnen der Saisonbranche zuordnen. So wollen sie längere Kündigungsfristen verhindern. Schon beim Verhandlungsauftakt im Dezember haben die Arbeitgeber klargestellt, dass sie einer fairen kollektivvertraglichen Lohnerhöhung nur dann zustimmen wollen, wenn wir grünes Licht geben, dass LeiharbeiterInnen quasi zu SaisonarbeiterInnen werden. Das wird es aber nicht spielen. 

oegb.at: Warum ist hier Widerstand so wichtig?  

Grammelhofer: Studien zeigen, dass lange Kündigungsfristen zu einer Festigung des Arbeitsverhältnisses führen. Kurze Kündigungsfristen haben oft Arbeitsauflösungen zur Folge, Menschen verlieren also schneller ihre Jobs, weil man sie schneller loswird. Das haben wir gerade zu Beginn der Coronakrise gesehen.  

Ein wichtiger Punkt ist auch, dass über 80 Prozent der überlassenen ArbeiterInnen, also der LeiharbeiterInnen, schlicht und einfach nicht den typischen Saisonbranchen angehören. Viele sind in der Metall-, der Fahrzeugindustrie oder auch im gewerblichen Bereich tätig. Wenn LeiharbeiterInnen wesentlich kürzere Kündigungsfristen haben, besteht die Gefahr, dass viele Firmen sich genau diese Menschen holen, weil sie diese dann schneller auf die Straße setzen können.  

oegb.at: Wie geht es weiter?  

Mein Optimismus hält sich in Grenzen. Die ArbeitgebervertreterInnen haben sich einbetoniert. Klar ist: Wir brauchen eine gute Lösung, die beide Seiten mittragen können. Die Bereiche „Saisonbranche und „Lohnerhöhung“ dürfen aber nicht verbunden werden.  

 

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