Um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten, speichert diese Website Informationen über Ihren Besuch in sogenannten Cookies. Durch die Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Weitere Informationen darüber finden Sie in der Datenschutzerklärung.
www.betriebsraete.at

Betriebsratsarbeit in Corona-Zeiten

Was Betriebsräte in den letzten Wochen für die Beschäftigten getan haben

Betriebsrätin Roswitha Grammer war auch in Corona-Zeiten ständig für die Belegschaft da.
Betriebsratsarbeit in Corona-Zeiten. Was Betriebsräte in den letzten Wochen für die Beschäftigten getan haben. Betriebsrätin Roswitha Grammer war auch in Corona-Zeiten ständig für die Belegschaft da.

Und plötzlich ging‘s um die Existenz. Während alle vom Erhalt des Systems sprachen, davon, „das Leben am Laufen zu halten“, wurde Hunderttausenden die Lebensgrundlage sprichwörtlich unter den Füßen weggezogen. Ein Schock, Ungewissheit, Zukunftsängste. Genau in dieser Situation waren es Zigtausende, die zur Stelle waren: BelegschaftsvertreterInnen und GewerkschafterInnen. Claudia Malecek und Roswitha Grammer stehen stellvertretend dafür, welche Herausforderungen gemeistert wurden und noch immer werden. 

Kurzarbeit bei Saturn eingeführt 

„Zuerst war es ein Schock, dann habe ich einfach zum Handy gegriffen und meinen Regionalsekretär angerufen. ‚Kurzarbeit‘ hat er spontan gesagt und mir gleich alle Unterlagen gemailt. Damit bin ich zum Geschäftsführer gegangen, hab ihm alles auf den Schreibtisch gelegt und gesagt: ‚Wir machen Kurzarbeit‘! Einen Moment hat er überlegt, dann hat er Ja gesagt“, erinnert sich Claudia Malecek an diesen einschneidenden Tag Mitte März. Sie ist seit Juli vergangenen Jahres Betriebsratsvorsitzende bei Saturn in der Shopping City Süd mit rund 80 Beschäftigten, der einzigen Saturnfiliale österreichweit, die einen Betriebsrat hat. 

Claudia Malecek ist erst im Vorjahr zur Vorsitzendenden des Betriebsrats gewählt worden.

Und die Neubetriebsrätin stand gleich mitten in der größten Herausforderung ihres Lebens – und das zu einer Zeit, als die „Corona-Kurzarbeit“ noch in den Geburtswehen lag und der Geschäftsführer bisher eher auf Konfrontationskurs war. „Es war dann plötzlich alles anders. Gemeinsam haben wir mit allen Beschäftigten Einzelgespräche geführt, sie motiviert und versucht, ihnen ihre Ängste zu nehmen“, freut sich Malecek heute noch über das gemeinsame Vorgehen. 

Betriebsrätin übersetzte für Belegschaft 

Die ersten Tage waren der Sprint, darauf folgte der Marathon. „Teilweise war ich in dieser Zeit sowas wie Dolmetscherin. Die immer wieder eintrudelnden Informationen musste ich ständig in verständliches Deutsch übersetzen. Das Mailkonto war am Überlaufen, das Handy wollte nicht verstummen. Einmal setzte ich mich einfach ins Auto und fuhr zu einer Kollegin ins Burgenland, um ihr – zwar mit Abstand, aber dennoch persönlich – beizustehen. Wir haben dann auch noch eine eigene WhatsApp-Gruppe eingerichtet. Niemand sollte alleine sein“, berichtet Malecek.

Und dann die Erlösung: Am 2. Mai öffnen die Geschäfte wieder. Alle freuten sich, warteten gespannt auf die ersten KundInnen. „Es war wie Weihnachten. Einerseits die Freude, wieder arbeiten zu dürfen, andererseits der Andrang der KundInnen. Zuerst wurden noch Fotos von der Schlange vor dem Geschäft gepostet, dann gings los!“, erzählt sie. Maleceks Resümee: „Ich kann das immer noch nicht fassen. Wir haben es geschafft. Aber ohne die Unterstützung der Gewerkschaft wäre das alles nicht gelungen.“ 

22 Jahre Betriebsrätin – trotzdem Neuland 

Eine enorme Herausforderung waren die vergangenen Wochen auch für Roswitha Grammer. Sie wurde vor 22 Jahren in den Betriebsrat des Autozulieferers TCG Unitech in Kirchdorf an der Krems gewählt, inzwischen ist sie Vorsitzende des Arbeiterbetriebsrates. In den vier TCG-Werken sind 800 Menschen fix beschäftigt, dazu kommen 65 Leasing-ArbeiterInnen. 

Roswitha Grammer ist seit 22 Jahren Betriebsrätin – die aktuelle Situation war ihr trotzdem neu.

Als Mitte März die Kurzarbeit eingeführt wurde, war zunächst „Information, Information und wieder Information der KollegInnen“ angesagt, erzählt Grammer. Danach hat sich ihre Arbeit und jene ihrer KollegInnen im Betriebsrats-Team immer weiter verlagert. Die erfahrene Betriebsrätin sah sich zunehmend mit einer völlig neuen Arbeitssituation konfrontiert. „Ich wurde zur Dauertelefoniererin“, erzählt sie: „Telefonkonferenzen mit dem Management, mit den Sicherheitsleuten, dem Personalbüro. Zwischendurch Telefonate mit besorgten KollegInnen, dann wieder Telefonkonferenzen mit meiner Gewerkschaft, der PRO-GE, und mit den ExpertInnen vom ÖGB. Dann die Mails ansehen und beantworten“ – eine völlig neue Situation und ein ständiger Lernprozess. 

Gewerkschaft leistete notwendige Unterstützung 

Grammer war es gewohnt gewesen, „draußen, bei meinen Leuten in den Werkshallen zu sein“ – mit Corona war sie plötzlich bei der Büroarbeit, samt Stundenberechnungen, Ausfüllen von Förderanträgen, Ausstellen von Kurzarbeitsbescheinigungen. Hilfestellung da, Unterstützung dort, Beratung wieder da, „Arbeit gab und gibt es mehr als genug“, erzählt Grammer. 

Erst nach einigen Wochen hatte sie dann endlich etwas Zeit zum Durchatmen. Doch von Entspannung ist sie immer noch weit entfernt: „Wenn ich das jetzt so erzähl, kommt alles wieder hoch“, meint sie. Zuerst die Meldungen vom Virus in China, dann die ersten Berichte, dass es auch bei uns angekommen ist, erste Ängste, erste Urlaubswünsche, „damit ich mich nicht anstecke“, dann Abstand halten. Plötzlich der Schnitt: Kurzarbeit, keine Schule, Kontaktregeln. „Da ist einiges auf uns hereingebrochen“, erzählt Grammer, „vor allem auf die Frauen. Ohne Unterstützung durch die Gewerkschaft wäre das alles nicht zu schaffen gewesen“, hält auch sie abschließend fest.

Mitglied werden

Ähnliche Themen:

Arbeitsrechtsexperte Martin Risak 20.05.2020

Betriebsratswahlen in Corona-Zeiten

Arbeitsrechtsexperte Martin Risak beantwortet die wichtigsten Fragen rund um BR-Wahlen
Stimmabgabe bei Betriebsratswahl 20.05.2020

Eklat um Betriebsratswahl in Graz

Video: Unternehmen versucht, Rechte von Beschäftigten zu torpedieren
Frauen besprechen sich an ihrem Arbeitsplatz 13.05.2020

Große Betriebe kommen gut durch die Krise

AK-Umfrage: Betriebe mit Betriebsrat konnten flexible Lösungen rasch umsetzen

Artikel weiterempfehlen