Was passiert, wenn alles steht?

Chefverhandlerinnen Eva Scherz und Michaela Guglberger im oegb.at-Gespräch

Viele machen sich Sorgen, dass pflegebedürftige Menschen während des Streiks nicht mehr ausreichend betreut werden. Wie schaut die Betreuung während des Streiks wirklich aus?

Michaela Guglberger, Chefverhandlerin für die Gewerkschaft vida: Wir sorgen weiterhin dafür, dass die notwendige Versorgung durchgeführt wird. Manche Aktivität und Betreuung wird zeitlich verschoben, aber die lebensnotwendigen Bereiche werden weiterhin abgedeckt. Wenn beispielsweise Nachmittagsdienste oder Kinderbetreuung ausfallen sollten, werden Angehörige rechtzeitig benachrichtigt. Keiner braucht sich Sorgen machen.

Beim Essen z.B. gibt es keine drei Menüs zur Auswahl, sondern an diesem Tag dann kalte Verpflegung.  Die KollegInnen und Kollegen würden schon aus ihrem Verantwortungsbewusstsein niemals Menschen, die Unterstützung brauchen, alleine lassen. Das ist uns sehr wichtig.

Eva Scherz, Chefverhandlerin der Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA-djp): Grundsätzlich ist es wichtig zu unterstreichen, dass die Würde und die Gesundheit von niemandem durch die Streiks verletzt und berührt wird. Allerdings ist es auch die Aufgabe der Arbeitgeber, die notwendige Betreuung und Pflege weiterhin zu gewährleisten, wo es notwendig ist. Dort, wo es zu Einschränkungen kommt, sind die Angehörigen informiert. Außerdem gibt es auch Notbetriebe, die in den Einrichtungen geschaffen wurden.

Eva Scherz, Chefverhandlerin der Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA-djp): „Viele arbeiten mehr und mehr, gleichzeitig haben sich die Arbeitsbedingungen verschlechtert und der Arbeitsdruck ist gestiegen.“

Warum fordern Beschäftigte und Gewerkschaften in der Pflege und in den sozialen Berufen überhaupt eine Arbeitszeitverkürzung?

Michaela Guglberger: Das hat viele Gründe: Wir haben 70 Prozent ArbeitnehmerInnen, vor allem Frauen, die Teilzeit beschäftigt sind. Alle ArbeitnehmerInnen sind durch ihre Tätigkeit physisch wie psychisch enorm belastet. Viele wünschen sich mehr Freizeit im Leben, die sogenannte Work-Life-Balance, viele sind auch Burn-out-gefährdet und die Ruhephasen sind zu kurz. Das Personal muss ausreichend gewürdigt werden.

Eva Scherz: Wir fordern die Arbeitszeitverkürzung, weil es das wichtigste Anliegen der MitarbeiterInnen ist, für die wir verhandeln. Viele Menschen arbeiten mehr und mehr, aber gleichzeitig haben sich die Arbeitsbedingungen verschlechtert. Und auch der Arbeitsdruck ist gestiegen. Viele ArbeitnehmerInnen wünschen sich mehr Zeit, um sich erholen.

Michaela Guglberger, Chefverhandlerin für die Gewerkschaft vida: „Die Beschäftigten sind durch ihre Tätigkeit physisch wie psychisch enorm belastet – viele wünschen sich mehr Freizeit im Leben.“

Können sie abschätzen, wie es mit den Verhandlungen weiter gehen wird?

Michaela Guglberger: Seit 15 Jahren stehen wir für Verbesserungen im Bereich der Gesundheits- und Sozialberufe. Und wir sind davon überzeugt, dass die Arbeitszeitverkürzung der richtige Schritt in die richtige Richtung ist. Am 2. März werden die Verhandlungen fortgesetzt. Sollte es keinen Abschluss geben, werden wir weiter für unsere 35-Stunden-Woche kämpfen.

Eva Scherz: Gerade ist es schwer, die Lage wirklich vorherzusehen. Ich erwarte mir aber, dass wir zu einem konstruktiven Gespräch mit den Arbeitgebern zurückkehren und letzten Endes unsere Forderungen am 2. März durchsetzen und einen Kollektivvertragsabschluss erreichen können.

Eva Scherz, Chefverhandlerin der Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA-djp) im Interview mit Armin Wolf

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