Tatort Großebersdorf: Amazons schmutziges Österreich-Geschäft

ÖGB warnt seit Jahren vor Amazon-Schattenwirtschaft, Polizei-Ermittlungen legen jetzt erdrückende Beweise vor

Die Geschichte liest sich wie ein Krimi. Der Tatort: Großebersdorf, Amazon-Großlager. Es geht um Abgabenhinterziehung, falsche Identitäten und Menschen, die zur Schwarzarbeit gedrängt werden. Das ergab eine großangelegte Polizei-Ermittlung, die jetzt öffentlich wurde.

Wer über Amazon – gerade in Zeiten der Pandemie – ein Paket bestellt, fördert damit ein schmutziges System. Denn die LieferantInnen arbeiten mit hoher Wahrscheinlichkeit „schwarz”. Der Multi-Milliarden-Konzern spart sich damit Steuern und Abgaben – darunter Sozialversicherungsbeiträge - in Millionenhöhe. Zahlen müssen diese Rechnung als am Ende alle, aber vor allem die ArbeitnehmerInnen, die von Amazon in Scheinselbständigkeit und dubiosen Konstruktionen ausgebeutet werden.

Razzia der Finanzpolizei

Nachdem vor fast einem Jahr, im Februar 2020, eine Razzia der Finanzpolizei stattgefunden hatte, wurden nun die Ermittlungsergebnisse veröffentlicht. Es gab ganze 987 Beanstandungen, teilte das Finanzministerium mit. Schon an Ort und Stelle waren Verstöße gegen das Arbeitsrecht festgestellt worden - etwa gegen das Lohn- und Sozialdumpinggesetz und das AusländerInnenbeschäftigungsgesetz.

„System Amazon muss ein Ende haben”

„Offenbar hat sich im Bereich der privaten Paketzustellung ein System der Umgehung arbeits- und sozialrechtlicher Bestimmungen entwickelt", kritisierte die Vorsitzende der Gewerkschaft GPA Barbara Teiber in einem schriftlichen Statement gegenüber der APA. „Das System Amazon muss endlich ein Ende haben”, fordert die Gewerkschafterin. Auch der Leiter der Finanzpolizei, Wilfried Lehner, zeigt sich erstaunt: „Ich kann mich an keine Kontrolle erinnern, bei der wir auf derartig viele Gesetzesübertretungen gestoßen sind. Das ist einmalig.”

Schwere Verstöße bei fast allen Amazon-Dienstleistern

Die von der Finanzpolizei kontrollierten Firmen stellen für Amazon im Großraum Wien Sendungen zu. Bei sagenhaften 98 Prozent dieser 133 Amazon-Dienstleister haben die Finanzprüfer „schwerwiegende Verstöße” entdeckt, wie das Nachrichtenmagazin „profil” berichtet. Von diesen 133 hat Amazon-Österreich theoretisch nur 13 direkte Vertragspartner. Die große Mehrheit der Amazon-Dienstleister sind 69 Subfirmen und 24 Sub-Subfirmen mit insgesamt 2.416 betroffenen DienstnehmerInnen.

Das ergab „die Entwirrung des Geflechts aus Unternehmen, Sub- und weiterer Sub-Sub-Unternehmen bisher", so das Finanzministerium. Die Finanzpolizei beantragte Strafen in der Höhe von fast 770.000 Euro, rund 325.000 Euro Forderungspfändungen und stellte gut 88.000 Euro sicher.


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